• Der Zen-Blog ist nach Utopia umgezogen

    Liebe Abonnenten, liebe Leser,

    der Zen-Blog hat eine neue Heimat. Ich bin nach Utopia umgezogen. Auf http://www.utopia.de gibt es eine sehr nette Gemeinschaft an Menschen, Buddhisten, Vegetarier, Weltoffene. Dort habe ich den Zen-Buddhismus-Blog zum Heilsam-Blog erweitert.

    http://www.utopia.de/user/Bibliothomas/blog

    Derzeit ist es noch so, dass man nur Blogs lesen kann, wenn man angemeldet ist. Auch gibt es keine Abo-Funktionen oder RSS oder ... Das ändert sich aber alles bald. Solltet Ihr Euch anmelden, würde ich mich freuen, wenn Ihr mich auf die Freundesliste setzt.

    Mein neuster Beitrag dort heißt: Mein kleiner wilder Zen-Garten

  • Zen an der Sunshine Coast

    Derzeit mache ich Urlaub in Kanada. Genauer gesagt an der Westkueste. Stellt Euch das nicht zu einfach vor, denn ich sitze hier auf einer Halbinsel vor Vancouver in Sechelt. Alles, was man unternehmen kann, muss man mit der Faehre erledigen.

    Zu Hause hatte ich mich schon informiert, dass es ein Zen Zentrum an der Sunshine Coast gibt, dass dieses aber extrem schwer zu finden sei. Ich machte mir also keine grosse Hoffnung, hier Gleichgesinnte zu finden. Wie immer liegen die Ueberraschungen eng auf dicht, wenn man denn nur achtsam und offen ist. Denn zum einen wimmelt es hier von sehr, sehr offenen Geistern. In jeder Buchhandlung findet man Zen-Literatur und so weiter.

    Mein Zen Zentrum habe ich dann auch gefunden, per Zufall. Es lag rechts am Rand eines Weges, an dem ich mit der Familie bei einem Ausflug entlang fuhr. Allerdings war alles dicht. Ich dachte zunaechst, dass das Zentrum eben nur zu bestimmten Zeiten offen sei und dass man diese eben abpassen muesse. Ich war wild entschlossen, zur rechten Zeit wieder zu kehren. Doch so wie es aussieht, ist diese Zeit fuer dieses Zentrum schon abgelaufen. In meiner Lieblingsbuchhandlung erfuhr ich, dass das Zentrum wohl aufgegeben wurde und dass der Meister sich schon lange nicht mehr hat blicken lassen. Macht nichts: Ich sass eine ganze Weile am Seerosenteich, der Blueten in jeder Form trug. Mehr Zen als dieses kann ich ohnehin nicht finden.

    Gruesse aus Kanada!

    Ich danke Euch sehr.

  • Achtsamkeitsübung für Kinder: Beherrsche Deine Wut, kleine Schildkröte

    "Im Hinblick auf die Lebenssituationen von Kindern heute, welche häufig durch Unruhe, Hektik und ein Übermaß an verschiedenen Reizeinflüssen geprägt wird, ist die Tatsache zu berücksichtigen, dass Kinder nicht mehr selbstverständlich mit Ruhe vertraut sind. Die Technisierung der Welt führte zu einem großen Ausmaß an Stress- und Lärmbelastetheit. Auch die visuellen Einflüsse über Video und Fernsehen, häufig mit extrem schnellen Bildschnitten versehen, stellen höchste Anforderungen an die menschliche Informationsverarbeitung. Kinder und Jugendliche können diese Flut an auditiven und visuellen Angeboten kaum mehr verarbeiten. Der Tagesablauf vieler Kinder ist durch mangelnde Zeit der Eltern einerseits, aber auch durch minutiös verplante Freizeit der Kinder andererseits geprägt.

    Häufig finden wir in der heutigen Zeit zwei Extreme vor: Zum einen Kindern, die sich ganz und gar selbst überlassen sind und unter anderem deshalb externe Simulationen, die ihnen verfügbar sind, aufsuchen, wie Fernsehen oder Computer- und Videospiele; zum anderen haben wir eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Kindern in unserer Gesellschaft, bei denen jede Minute des Tages sieben Tage die Woche verplant ist; sie sollen mit diesem Angebot ideal gefördert und auf die hohen Anforderungen unseres Alltags vorbereitet werden. Diese Kinder finden kaum im Tages und Wochenablauf die Ruhe und Muße zu spielen und sich selbstgenügsam zu beschäftigen."
    (Ulrike Petermann, Entspannungstechniken für Kinder und Jugendliche)

    Langsam, leise und achtsam wie eine Schildkröte

    Der klinischen Psychologin Ulrike Petermann verdanke ich eine schöne neue Achtsamkeits-Übung für Kinder, die ich mit großem Erfolg bei meinen eigenen Jungs eingeführt habe: Die Schildkröten-Geschichte.

    (Am Rande: Ihr Buch ist ein wissenschaftliches, wer praktische Tipps sucht und nicht eine allgemeine theoretische Anleitung zu den physiologischen Grundlagen der Entspannung, könnte enttäuscht werden. Aber ich freue mich darüber, dass ich auf wenigen Seiten Wertvolles gefunden habe und übersehe die abgehobene Sprache, in der sich die herzenswarme Menschenfreundin äußert.)

    Phase 1: Lernen, wie eine Schildkröte zu gehen

    In der ersten Phase verteilen sich die Kinder im Raum, auf der Wiese. Zusammen überlegen wir, was eine Schildkröte ausmacht: Ein dicker Panzer, in den sie sich zurückziehen kann. Sie wird sehr alt. Sie bewegt sich extrem langsam und leise. Ein Bild von einer Schildkröte hilft vielleicht, diese vor Augen zu haben.

    Dann werden die Kinder aufgefordert, sich selbst wie eine Schildkröte zu bewegen. Dabei sollte erst einmal ein Kind das vormachen und ein Modell vorstellen, wie langsam und leise und vorsichtig eine Schildkröte vorangeht. Schließlich bewegen sich alle Kinder wie Schildkröten. Sie werden gestützt durch laufende Kommentare: "Ich gehe so langsam wie eine Schildkröte", "Ich bin so leise wie eine Schildkröte", "ich bin so aufmerksam wie eine langsame, leise, wachsame Schildkröte". Es hilft sehr, die Texte immer wieder zu wiederholen, da die Achtsamkeit sonst leicht abreißt.

    Phase 2: Sich in den Panzer zurückziehen

    In der nächsten Phase reflektieren die Kinder, was eine Schildkröte macht, wenn sie jemanden berührt oder irgenwo anstößt. Sie zieht sich in ihren Panzer zurück und ist dort sicher. Wieder kann dies ein Kind vormachen. Meine Erfahrung zeigt, dass Kinder Spaß daran haben, sich ruckartig zurückzuziehen und daraus dann ein Bewegungsspiel machen. Deswegen leite ich sie an, dies sehr langsam zu tun. "Wenn ich irgendwo anstoße, ziehe ich mich wie eine Schildkröte langsam und leise in meinen Panzer zurück", "Wenn mich jemand anstupst, krieche ich in meinen Panzer zurück".

    Petermann weist daraufhin, dass die körperliche Sammlung, das Anspannen der Muskeln beim Zurückziehen, wichtiger Teil der Entspannungstechnik ist. Deswegen achte ich darauf, dass die Kinder sich wirklich klein machen, zusammenziehen und eine Muskeltspannung erkennbar ist.

    Zuvor wurde vereinbart, dass die Kinder diese Spannung halten, bis sie ein Zeichen bekommen. Es hat sich bewährt, sie nach etwa 30 bis 60 Sekunden (!) sanft von oben nach unten entlang des Rückgrats zu streicheln. Dann lockern sie die Muskulatur wieder. Ein Impuls hilft ihnen, die alte Langsamkeit und Achtsamkeit zu bewahren "Die Schildkröte kommt langsam aus dem Panzer. Sie bewegt sich leise und wachsam weiter".

    Phase 3: Hast Du Nöte, mach es wie die Schildkröte

    Die Kinder hören nun eine Geschichte von der kleinen Schildkröte, die den Kindergarten oder die Schule oder den Sportverein besucht. Dort hat sie öfters Streit, weil ihr eine andere Schildkröte sie immer anstieß, ihr Sachen wegnahm oder sich mit ihr prügelte. Dann wurde unsere kleine Schildkröte geschimpft von der Kindergärtnerin, Lehrerin oder dem Trainer, weil sich in den Streit verwickeln ließ. Sie wollte am liebsten schon gar nicht mehr aus dem Haus gehen. Eines Nachmittags besuchte sie die Schildkröten-Opama - niemand konnte sich mehr daran erinnern, ob es eine Oma oder ein Opa ist - und erzählte ihr von ihren Sorgen. Opmama antwortete "Weißt Du eigentlich, dass du die Lösung deines Problems mit Dir herumträgst?"

    An dieser Stelle erarbeite ich immer mit den Kindern die Lösung. Statt zu schlägern, sich in den Panzer zurückzuziehen. Am Ende erzählt Opama noch einmal, was er macht und fasst das Erarbeitete zusammen. "Genauso hat es auch Opama erzählt: Immer wenn ich mich ärgere oder Angst habe, ziehe ich mich in meinen Panzer zurück und warte, bis mein Ärger oder mein Angstgefühl verschwunden ist. Danach komme ich wieder langsam und leise aus meinem Panzer heraus. Und dann muss ich gar nicht mehr brüllen, sondern sage ruhig, was mich ärgert und was ich möchte."

    Danach spielen die Kinder wieder das Schildkrötenspiel. Wieder bewegen sie sich selbst. Sie sollen sich vorstellen, was sie ärgert und sich dann in den Panzer zurückziehen. Sie entscheiden aber selbst, wann sie merken, dass sich ihre Ärger, ihre Angst gelegt hat. Ich lobe sie für die bedächtige Vorgehensweise.

    Sehr schön ist es auch, wenn ein Kind das vormacht und die anderen zusehen. Ich ermuntere dann die Kinder, die einzelne Schildkröte zu loben, wie langsam und achtsam sie vorgegangen ist. Das lenkt nicht nur die Aufmerksamkeit voll auf das eine Kind, es aktiviert auch sehr viel positive Energie in allen teilnehmenden Kindern.

    Phase 4: Schildkröten-Alltag

    Wenn es im Alltag meiner Jungs zu Ärger kommt, dann erinnern wir uns gerne an die Schildkröten-Geschichte. Ulrike Petermann gibt einen Hilfsspruch mit auf den Weg, den alle auswendig können: "Hast Du Nöte, denk an die Schildkröte".

    Gerade bei dem Fünfjährigen bin ich verblüfft über den Effekt. Er hält inne, und zieht sich zurück. Dabei spreche ich mit ihm. Allerdings legt er dann Wert darauf, dass ich bestimme, wann er wieder aus dem Panzer schlüpfen kann, indem ich über den Rücken streichle. Das ist nicht ganz so achtsam, aber hilft uns beiden.

    Ich danke Euch sehr

  • Schreiben oder Rückzug

    In den vergangenen Tagen, vielleicht Wochen hatte ich eine sehr nach innen gerichtete Phase. In solchen Perioden habe ich wenig Lust etwas zu äußern, da es mir sehr banal vorkommt und ich fürchte, meinen eigenen Ansprüchen nicht zu entsprechen.

    Gestern habe ich mich mal wieder mit einem sehr alten Freundeskreis getroffen - es waren schöne und intensive Stunden. Aber einmal mehr fiel mir auf, was für einen Unterschied in und vor allem nach Ritualen es geben kann. Denn im Restaurant plapperten die Gespräche dann am Ende ganz schön dahin, kaum einer bezog genug Konzentration aus dem Erlebten, um mal eine längere Zeit über Nicht-Oberflächliches zu reden. So ist es eben.

    Umso erstaunlicher ist das Erleben des Zen. Zu keinem Moment ist mein Zazen getrennt von der Welt da draußen - es wirkt vom Kissen immer nach in den Alltag und trägt unterschiedlich lange den Tag. Die Gespräche in und nach einem Retreat sind auf den Punkt, ernsthaft. Es wäre schwer, darin und danach zu banal zu werden.

    Und so ist es auch in diesem Zen-Tagebuch. ich bemühe mich sehr, nur ernsthafte Beiträge und Kommentare zu verfassen. Und ich erlebe, dass mir Mitleser viele wertvolle Gedanken schenken. Das scheint mein Weg zu sein, bei aller Unausgereiftheit der Gedanken zu einem Moment.

    Das ist aber schon alles: Wir neigen zur Oberflächlichkeit und jeder muss eben das für sich finden, was ihm genau dann und genau dort hilft, wach zu werden und achtsam zu bleiben. Schön, wenn es eine Praxis dafür gibt.

    Ich danke Euch sehr.

  • Moral ist Richtiges Handeln

    "Ich denke, wie wir in unserem Leben handeln, ist ein zentrales Problem der Philosophie, Religion und des Lebens selbst. Viele Religionen betrachten Moral als die unbedingte Pflicht, die moralischen Gesetze Gottes einzuhalten. Dann ist Moral eine spirituelle Frage, ein Problem des Bewusstseins und des guten Denkens gegenüber dem schlechten Denken. Der Buddhismus hat ein anderes Verständnis von Moral. Moral ist aus der Sicht eines Buddhisten nicht eine Frage des richtigen Denkens, sondern vor allem des richtigen Handelns. Ob etwas richtig oder falsch ist, wird nicht im Geist entschieden, sondern in der wirklichen Welt.

    Die buddhistische Haltung gegenüber moralischen Problemen ist daher nicht spirituell oder idealistisch. Sie ist sehr praktisch und bodenständig. Eine solche Einstellung mag manche Menschen verwirren, die glauben, dass die Frage der Moral im Geist gelöst werden muss, aber im Geist hat die Moral keine Wirklichkeit und keine Substanz. Nur in der wirklichen Welt des Handelns kann Moral wirklich sein. Wir mögen zahllose gute und pietätvolle Gedanken hegen, aber wenn unser Handeln nicht richtig ist, ist solches Denken völlig nutzlos."
    (GUDO NISHIJIMA, Nichts Falsches tun und die buddhistischen Gelöbnisse)

    Ich verschwinde heute mal wieder für ein paar Tage nach Eisenbuch zu einem Retreat über die Shilas 7 bis 10 der Saddharma Sangha. Diese lauten:

    7.  Sich enthalten vom Lügen
    8.  Sich enthalten vom Gebrauch berauschender Mittel
    9.  Sich enthalten von Kritik an den Fehlern anderer
    10.  Sich enthalten von Selbstlob und übler Nachrede

    Einmal mehr frage ich mich, was zuerst da war: Die Frage oder die Antwort? Stelle ich mir genau diese Herausforderung, weil sie angeboten wird und ich nun auf die eigenen Fehler aufmerksam werde? Oder beschäftige ich mich zuerst mit dem Thema und suche mir dazu den passenden Termin aus?  In jedem Fall: Das Retreat kommt zur rechten Zeit für mich.

    Ich will dazu hier gar nicht viel mehr dazu schreiben. Ich denke seit Wochen darüber nach. Und ich merke, wie schlecht ich danach handle, wie groß die eigene Ablenkung ist, wie leicht man unkonzentriert ist bei der Befolgung der eigenen Werte.

    Ich danke Euch sehr.

  • In eigener Sache: Zen-Buddhismus-Blog bei Facebook

    Ihr Lieben,

    in der rechten Spalte seht Ihr ein neues Widget. Über dieses habe ich diesen Blog mit Facebook verknüpft, da ich weiß, dass viele Nutzer des Sozialen Netzwerkes hier mitlesen, sobald Sie einen neuen Eintrag bei Facebook sehen.

    Solltet Ihr auch bei Facebook aktiv sein, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr rechts im Kasten "Networkedblogs" klickt und diesem Blog auch dort folgt. So gewinnt die Idee des Zen vielleicht immer mehr Gewicht und neue Freunde.

    Ich danke Euch sehr.

  • Interview-Juwel: Dalai Lama zu einer buddhistischen Wirtschaftsethik

    dalai-lama

    "Reichtum ist nichts Falsches, wenn er ehrlich erworben wird
    und dadurch weder andere Menschen noch die Umwelt zu Schaden kommen.
    Wir Buddhisten erkennen an, dass Wohlstand eine grundlegende Voraussetzung für ein glückliches Leben ist.
    Aber auch ein Milliardär hat nur zehn Finger.  Er kann sich an jeden Finger drei oder vier Ringe machen. Das sieht dann ziemlich komisch aus.
    Die Befriedigung im Kopf mancher Millionäre,
    die das Geld nicht teilen und nur anhäufen wollen, ist etwas Fiktives, nichts Echtes.
    Reiche Menschen sollten stattdessen dazu beitragen,
    die Armut zu reduzieren.
    "
    (Dalai Lama im Interview mit der "Welt")

    Ein journalistisches crossmediales Glanzsstück ist der Tageszeitung "Die Welt" gelungen. Die Welt am Sonntag macht mit einem riesigen Interview mit dem Dalai Lama, dem Oberhaupt der tibetischen Buddhisten auf. Heute, am Montag, erscheint in der Welt der zweite Teil des Interviews in gedruckter Form.

    Gleichzeitig hat Jörg Eigendorf, der Leiter der Wirtschaftsredaktion der Welt, online den gesamten Text vorab publiziert. Dazu eine Bildergalerie und ein Video von seinem Besuch in Dharamsalah im Nordosten von Delhi.

    Unabhängig, ungewöhnlich, bestens präpariert stellt Eigendorff seine Fragen an den Dalai Lama und wahrt dabei stets tiefen Respekt. In dieser Interview-Preziose erarbeitet er nicht weniger als eine buddhistische Wirtschafts-Ethik. Fein differenziert zeigt der Dalai Lama, warum er für Reichtum und Globalisierung ist, gleichzeitig aber auch gegen Gier und Ungerechtigkeit:

    Dalai Lama: "Unternehmen sind lebende, komplexe Organismen, und keine Gewinnmaschinen. Der Gewinn sollte deshalb kein Unternehmenszweck sein, sondern das Resultat guter Arbeit. Wie ein Unternehmen ohne Gewinn nicht auskommt, kann ein Mensch nicht lange auf Nahrung und Flüssigkeit verzichten. Darauf würde ich dennoch nie denn Sinn eines Menschen reduzieren. Essen und Trinken sind nur die Voraussetzung für eine möglichst sinnstiftende Existenz."

    Und so lässt er sich nicht auf eine einfache Linie festlegen, offenbart die Angst vor der Vergänglichkeit bei den Globalisierungs-Gegnern. Oder den Unterschied zwischen dem tief an Veränderungen glaubenden Mao Tse Tung der frühen 50er Jahre und den späteren Entartungen.

    Und er sieht die Chancen des Buddhismus ganz realistisch. Es helfe nichts, alle Manager und Regierungschefs für drei Wochen in ein Kloster zu stecken:

    Dalai Lama: "Dreiwöchige Seminare in unseren Klöstern bringen gar nichts. Das wäre so, also würde ich Eis auf einen Stein legen. Etwas später ist der Stein nur noch ein bisschen Nass, mehr nicht. Aber der Stein ist immer noch da. Nein, es ist unrealistisch, eine rasche, systemische Veränderung des globalen Wirtschafssystems zu erwarten. Die Veränderung muss bei jedem einzelnen Menschen und Unternehmen beginnen. Und das hängt davon ab, welche Anstrengungen wir in unserem Bildungssystem unternehmen. Es geht um Bildung vom Kindergarten an, nicht um ein paar Wochen Diskussion."

    Das vollständige Interview auf Welt Online

  • Danke Wirtschaftskrise oder: Totpunkte sind Lebenspunkte

    zazen-in-sonnenhausen

     

     

     

     

     

     

    Der wichtigste Teil einer Trapeznummer,
    erzählte die Artistin weiter, sei etwas,
    was man als den Totpunkt bezeichne.
    Erreicht werde der Totpunkt
    am Ende der Pendelbewegung,
    nachdem die Trapezstange aufgehört hat,
    in die eine Richtung zu schwingen,
    und bevor die Gegenbewegung einsetzt.

    Das sei, erklärt sie,
    der Geburtsmoment
    für das nächste kleine Kunststück.

    (Diane Eshin Rizzetto, Zen für jeden Tag)

    (Foto THK: Gut Sonnenhausen, Oberbayern, kurz nach Sonnenaufgang)

    Ich verdiene meinen Lebensunterhalt in einem Gebäude, das eine Jahrhunderte alte Tradition des Geldverdienens erlebt hat. Erst habe ich in einem einzelnen Raum gearbeitet, mittlerweile haben die neuen Ideen dazu geführt, dass mehr und mehr Zimmer von Mitarbeitern belebt werden. Es sind komplett neue Ideen, für die es oft noch nicht einmal Vorbilder gibt, geschweige denn Berufstraditionen oder Kopiervorlagen. Vieles muss uns selbst einfallen, immer müssen wir begünden, warum wir etwas einführen wollen. Nie waren andere schon erfolgreich damit, also ist auch nie von vornherein klar, dass wir "auch so" Geld verdienen. Wir sind dazu verdammt, als erste Erfolg zu haben. Alles fließt.

    Wenn nichts selbstverständlich ist, reflektiert man sich selbst laufend. Ein großes Glück liegt darin, mich mit anderen über meinen Beruf auszutauschen. Jeder kann von jedem lernen. Oben und unten sind noch nicht formalisiert - zumindest, wenn sich die Mädels und Jungs der Avantgarde unter sich sind.  Noch vor einem Jahr habe ich Lehrgänge zu meinem Thema angeboten mit dem Hinweis, dass die Zeiten sich ändern. Niemand hat sich angemeldet. Dafür hörte ich Gesprächen über Dienstwagen-Verordnungen und Vergünstigungen auf Journalistenreisen zu.

    Mein Gebäude wird wie jedes Medienhaus gerade vom Sturm der Wirtschaftskrise in den Grundfesten erschüttert. Die Verunsicherung ist groß, die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes hängt über vielen Stühlen, die Krise wirbelt die individuellen Lebensentwürfe  durch einander. Wer vorher sicher war, ist nun auf der wackeligen Seite. Jede persönliche Geschichte bewegt mich sehr. Und doch entblättert sich in der Stille eines Morgens zwischen zwei Bäumen am Wasserspiel, beim Sitzen am Schilf eine andere Geschichte. Ein Trend, den ich sehr gut finde. Die Poren öffenen sich, die Wahrnehmung für andere und für sich selbst steigt, die Gespräche über Vergünstigungen werden als das erkannt, was sie sind: Eitle Oberflächlichkeiten. Und sie verebben nicht immer, aber sind viel leiser.

    Nachdem das Trapez der westlichen Wirtschaft jahrzehntelang Fahrt aufgenommen hat, nachdem es mit steter Beschleunigung dahingerast ist, bleibt es nun abrupt stehen. Vollstop. Nur wenige Künstler haben die Gelassenheit und Achtsamkeit, die Möglichkeiten zu erkennen, die in diesem Totpunkt liegen. Eigentlich braucht es überhaupt keine Kraft, um einen Salto zu machen, die Hand der anderen Artisten zu ergreifen. Man muss nur das Trapez loslassen können und Vertrauen haben - in sich und darauf, dass es immer weitergeht. Was soll schon passieren?

    Ich danke Euch sehr

  • Alle Texte sind Zen-Texte: Angelus Silesius

    Der Himmel ist in dir
    Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir;
    Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

    Wie Gott im Menschen
    Gott ist noch mehr in mir, als wann das ganze Meer
    In einem kleinen Schwamm ganz und beisammen wär.

    Der Mensch ist Ewigkeit
    Ich selbst bin Ewigkeit, wann ich die Zeit verlasse
    Und mich in Gott und Gott in mich zusammenfasse.

    Zufall und Wesen
    Mensch, werde wesentlich; denn wann die Welt vergeht,
    So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

    Beschluss
    Freund, es ist auch genug. Im Fall du mehr willst lesen,
    So geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen.

    (Angelus Silesius, 1624-1677, aus dem Cherubinischen Wandersmann)

  • Buchtipp: Der kleine buddhistische Erziehungsberater

    "Es gibt Tage, an denen meine Kinder Teil eines göttlichen Plans zu sein scheinen,
    der ein nervöses Wrack aus mir machen will.
    Tage, an denen es eine wahre Freude ist, mit ihnen zusammen zu sein,
    wechseln sich ab mit Tagen, an denen ich ihre grässliche Musik,
    die ewigen Wiederholungen ihrer Videos und ihre endlosen Forderungen kaum mehr aushalte.
    An solchen Tagen stellen Kinder ein ideales Übungsfeld dar, um innere Ruhe zu entwickeln -
    wenn man es schafft, um fordernde Kinder herum ruhig zu bleiben, ist man wirklich eine Meisterin."
    (Sarah Naphthali, Der kleine buddhistisch Erziehungsberater)

    buddhistischer erziehungsberaterIch habe es nicht so mit Erziehungsberatern. Ich bin mir eigentlich nicht sehr unsicher, was ich zu tun habe, ich bin nur zu gestresst und dämlich, es umzusetzen. Das ist ja der Kern meiner Praxis, sonst wäre ich ein Buddha. Warum ich diesen Erziehungsberater gelesen habe? Natürlich war es zuallerst Neugierde, wie man aus buddhistischer Perspektive an dieses Thema herangehen kann.

    Meine Wertung vorweg: Diesen Erziehungsberater mag ich sehr. Denn die amerikansiche Autorin teilt mit mir eine Grundüberzeugung: Es geht um mich und wie ich mich weiter entwickle, dann werden auch meine Kinder blühen. Das Scheitern meiner Erziehung ist immer zuerst ein Scheitern der Reife der Eltern. Freilich gibt es kaum  eine größere Stressprobe als Elternschaft - man muss fair bleiben: Als Mutterschaft. Und genau hier setzt Sarah Naphthali an: Sie greift mitten ins Familienleben und schaut von unten auf buddhistische Werte. Wer diese teilt, findet eine Menge Achtsamkeitsübungen und Überlegenswertes.

    Wer sich mit dem Buddhismus noch nicht beschäftigt hat, für den mag das Buch sehr eingenartig scheinen. Wenn man noch nicht über die vier edlen Weisheiten nachgedacht hat, mögen manche Refelxionen über Leid und die Vergänglichkeit in Bezug auf eine westliche Familiensituation irritierend wirken. Andersherum gibt es wenig Bücher, die von diesem Kern aus über Kinder und Erziehung in dieser Breite nachdenken. Ja, es geht manchmal übertireben amerikanisch lustig und redundant zu. Ja, es wimmelt nur so von zitierfähigen "buddhisthischen Müttern", wo ich noch nicht mal ausreichend Buddhisten kenne. Na und? Muss mir erst mal einer ein Buch zeigen, aus dem ich ähnlich viele Impulse beziehen kann...

    Ich muss jetzt aufhören, mein Kleiner sitzt auf dem Klo und ruft "Abputzeeeeeeen!"

    Ich danke Euch sehr.

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